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Durchleuchtung
eines Oligarchen
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Wer ist der Kandidat der Yankees und
der venezolanischen Rechten für die
Präsidentschaftswahlen des kommenden 7. Oktober?
Félix
López
VOR einigen Jahren verriet
Maripili Hernández, Journalistin und Mitglied des
Wahlkampagnenteams, das Hugo Chávez zu seiner ersten
Präsidentschaft führte, in einem Interview das
Geheimnis der „Vernabelung" zwischen dem
bolivarianischen Führer und seinem Volk : „Er kennt
Venezuela, weil er es Zentimeter um Zentimeter
erwandert hat, er kennt seine Gerüche, weil er es
gerochen hat, und er kennt seinen Geschmack, weil er
das Essen seiner einfachen Frauen probiert und die
selben Leiden der Leute an der eigenen Haut gespürt
hat."
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Der Kandidat
der Yankees

April
2002: Capriles Radonski springt
von der Mauer der kubanischen
Botschaft, um in Vertretung der
faschistischen Kontra-Horde
„ein Gespräch zu führen" |
Wir erinnern hier daran, weil diese Tatsache
weiterhin der wichtigste Punkt des Kontrastes und
des Widerspruchs zum Kadidaten der Opposition
darstellt, gegen den er am kommenden 7. Oktober
antritt: Chávez ist zweifellos aus dem gleichen Holz
geschnitzt wie sein Volk; während sein Gegner
Enrique Capriles Radonski (ECR) den einwandfreien
Stammbaum eines in eine goldene Wiege
hineingeborenen Oligarchen hat, der dazu erzogen
wurde, die Interessen seiner Klasse nicht zu
verraten; eines von den Unternehmensgruppen
Auserwählten, der jetzt die Masche des „Fahrers des
Fortschrittsbusses" benutzt, um seine Zugehörigkeit
zu einer radikalen, gewalttätigen und faschistischen
Rechten zu vertuschen.
Von jetzt an und bis Oktober werden namhafte
Publizisten und von den venezolanischen
Unternehmensgruppen engagierte Berater – unterstützt
durch die Medienwelt – bemüht sein, ihn als eine Art
Robin Hood zu verkaufen, als jungen und energischen
Politiker, der die um ihr Ansehen gebrachten
politischen Parteien der venezolanischen Oligarchie
zu Grabe trägt, einen Zauberer, der das Wunder
vollbringt, die Differenzen zu den „Chavisten" und
den „Verwahrlosten" auszulöschen, weil „alle gleich
sind" und „alle Millionäre sein können" ... Zum
Glück gibt es die Geschichte und das Gedächtnis, um
die Falschheit und die Mythologie zu zerlegen.
DER STAMMBAUM DES OLIGARCHEN
Wer ist ECR wirklich? Der „bescheidene" Kandidat
wurde im Schoße zweier mächtiger Familien geboren:
der Familie Capriles (Nachkommen von Holländern),
Inhaber eines landesweiten Medien-, Industrie- und
Immobilienkonzerns, Besitzer der Cadena Capriles
(die unter anderem die Kommunikationsmedien
Últimas Noticias, El Mundo, Líder, Urbe, Urbe
Bikini, Dominical und Multicolor in sich vereint);
und der Familie Radonski (die von einer russisch-polnischen
Familie abstammt), die 1937 ihren ersten Kinosaal in
Puerto la Cruz eröffneten und heute Eigentümer des
Circuito Nacional de Exhibidores (Cinex) ist,
der die wichtigsten Kinos des Landes in einem
einzigen Unternehmen vereint.
ECR, der Sprössling, begann 1998, sich politisch
zu betätigen. Es ist nicht notwendig, zu erklären,
wie er dank familiärer Unterstützung, mit großen
Investitionen in Banken und Kommunikationsmedien, in
ein Bürgermeister- und Gouverneursamt im reichen und
gegen Chavez eingestellten Osten von Caracas
katapultiert wurde. Sein „heldenhafter" Lebenslauf
beinhaltet mehrere Gerichtsprozesse, aber der
schwerwiegendste Fall trug sich im April 2002 zu,
als er es als Bürgermeister von Baruta unterließ,
seine Autorität gegen die faschistische Horde
auszuüben, die die in dieser Zone angesiedelte
Botschaft Kubas in Venezuela belagerte und
gleichzeitig an der ominösen Festnahme des damaligen
Ministers des Innern und der Justiz, Ramón Rodríguez
Chacín, beteiligt war, unter Verletzung dessen
Menschen- und Bürgerrechten. Es waren die Tage des
oligarchischen Putsches von Pedro Carmona Estanga (Der
Kurz und Knappe), Fedecámaras und der Interventions-Regierungen
von Busch und Aznar.
ALS ROTKÄPPCHEN VERKLEIDET ...
Die Kollegin Carmen Lara liegt mehr als richtig,
wenn sie ihre Landsleute beschwört, dass „Venezuela
der Menschheit bereits den Anteil des Blutes gegeben
hat, den es zu geben hatte, und dass es nun seinen
Anteil an Intelligenz, Schöpferkraft, Kohärenz,
Hingabe und Liebe geben muss, um den
bolivarianischen Prozess aufrecht erhalten zu können".
Dieser Gedanke appelliert an den Spürsinn der
einfachen Leute, sich weder von den Reden von ECR
noch von der verwickeltsten politischen Kampagne
manipulieren, besäuseln oder betrügen zu lassen.
Wenn dieser Kandidat der venezolanischen
Opposition etwas zu viel hat, dann sind es
Bildschirme und Leinwände. Von denen aus, und unter
Nutzung von Tricks und Photoshop, hat er die Rolle
des Wolfes übernommen, der sich als Rotkäppchen
verkleidet hat. Erinnern wir uns an jenen Wahlkampf
um das Gouverneursamt des Bundesstaates Miranda, als
sich ECR „unters Volk mischte" und auf den
Wahlplakaten jene schwarzen Frauen und Männer
umarmte, die seine Klasse in Wirklichkeit so
verachtet. Heute fährt der Wolf mit der Maskerade
fort und spricht von Eintracht, Fortschritt,
Gleichheit und Liebe. Ohne dabei rot zu werden,
nennt er sich einen Fortschrittlichen, den „Lula der
Venezolaner", und posiert von links, während er mit
hinterrücks gekreuzten Fingern verspricht, die PDVSA
nicht zu privatisieren, die sozialen Missionen
wirksamer zu gestalten und die Chavisten nicht zu
verfolgen.
Die Verkleidung als Rotkäppchen dient ihm auch
dazu, die Oligarchie einer Reinigung und einem
Imagewechsel zu unterziehen: er will den Sieg von
ECR in den Vorausscheidungswahlen der Opposition als
eine Niederlage für AD und COPEI darstellen, die
beiden Dinosaurier der traditionellen
venezolanischen Politik. Man sollte sich sehr hüten,
dieser Theorie Glauben zu schenken! ECR ist weit
davon entfernt, etwas Neues zu vertreten, er ist die
Zusammenfassung, die Schöpfung und die Kontinuität -
hinter einem neuen Gesicht - dieser um ihr Ansehen
gebrachten Parteien, die schlecht regierten, die das
Volk ausraubten und seine Zukunft mit einer Hypothek
belasteten. Nur dass die Oligarchie jetzt vorhat,
sich andere Symbole zu eigen zu machen und die
Revolutionäre zu verwirren.
Bis zum 7. Oktober werden wir uns zweifellos
ansehen müssen, wie sehr ECR Bolívar verehrt, wie er
dieses oder jenes rotes Hemd trägt, in den
Wohngebieten falsche Versprechungen macht, und sogar
das eine oder andere Augenzwinkern für die
venezolanischen und kubanischen Ärzte ertragen
müssen, die täglich in den Bergen, den Wäldern und
den Ebenen des Landes Leben retten.
ES RIECHT NACH YANKEE-STRATEGIE
Kurz bevor er seine Strategie in den
Vorausscheidungswahlen der Opposition herausbrachte,
wurde ECR von Wikileaks als Mitarbeiter der US-Botschaft
in Caracas enttarnt. Ebenfalls in jenen Tagen
erklärte der Minister für Erdöl, Rafael Ramírez,
dass das Land über Erdölvorkommen von 297 Milliarden
Barrels verfügt, eine Marke, die Saudi-Arabien auf
einen zweiten Platz verwies und die es Chávez
ermöglichte, zu versichern, dass „Venezuela Erdöl
für 200 Jahre hat". Die Yankees wollen dieses Erdöl
und nur ein „Präsident" wie ECR würde es ihnen auf
einem Silbertablett servieren.
Diesmal wurde der „Konsens" zwischen den
wirtschaftlichen Gruppen der Macht und der Yankee-Diplomatie
vor den Vorausscheidungswahlen der Opposition
geschlossen. Die Berater von ECR haben ihm
offensichtlich grundlegende Instruktionen gegeben:
jede Beziehung zu den transnationalen Konzernen zu
verbergen und sich von den Putschisten des 11. April
fernzuhalten; Gras über seine Mitgliedschaft in der
Sekte Tradition, Familie und Eigentum und in der
Leitung der faschistischen Partei Primero Justicia (Gerechtigkeit
Zuerst) wachsen zu lassen; jegliche Verantwortung
für die Gewalttätigkeit der Putschisten zu verneinen
und opportunistisch einige Programme (oder Maßnahmen)
der bolivarianischen Regierung zu übernehmen, die in
der Bevölkerung beliebt sind.
Auf der anderen Seite sind die Berater darum
bemüht, ihn von dem Gebiet fern zu halten, das
seinen Tod als Kandidaten bedeuten würde: die
inhaltliche Diskussion mit dem Präsidenten Chávez.
ECR hat etwas wiederholt, das in seinem Wahlprogramm
sehr gut definiert wurde: „Ich werde mich nicht in
sterilen Kämpfen mit Chávez aufreiben". Die Wahrheit
ist, dass er weiß, dass er mit den
Geschichtskenntnissen und den soliden
bolivarianischen und revolutionären Ideen von Chávez
nicht mithalten kann. Um diesen unüberwindlichen
Mangel zu überspielen, wird ECR weiterhin einen
symbolischen Diskurs pflegen, entfernt von der
nationalen Realität, und wie ein Papagei wiederholen,
dass er der Fahrer des „Fortschrittsbusses" ist,
eine zwergenhafte Parabel im Vergleich zu einem
Chávez, der fünfzehn Jahre vor ihm in die Lokomotive
der Geschichte gestiegen ist.
Mit der Kampagne kommt für ECR die Stunde der
Wahrheit. Wie wird es dieser Exponent der Yuppies (young
urban professionals) anstellen, um zu beweisen, dass
die Familie der Pedro Pérez, die auf dem Berg von
Petare lebt, gleichgestellt ist mit der Familie
Zuluaga, die im Country Club wohnt? Wie wird er den
Leuten aus den armen Wohnvierteln beweisen, dass er,
wenn er Präsident wird, im Land nicht jene „Demokratie"
wieder errichten wird, die von der kapitalistischen
Unternehmerklasse gelenkt wird, die den Yankees
unterwürfig und dem Volk eine Ausbeuterin ist? Wer
wird ihm das Märchen glauben, dass er PDVSA nicht
privatisieren wird, jenes Unternehmen, welches heute
eine unvergleichliche gesellschaftliche Investition
zugunsten des Volkes vollzieht?
Ich denke, dass die Berater von ECR in einem
großen Dilemma stecken. Deshalb sind sie so
verzweifelt und stellen Totenlichter auf und
finanzieren jene Journalisten (innerhalb und
außerhalb des Landes), die sich darauf spezialisiert
haben, über die Gesundheit von Chávez zu schreiben
und die Woche für Woche die Nachrichtensendungen und
Titelseiten mit Todesnachweisen füllen. Beim
jetzigen Stand der Dinge haben sie bereits
massenhaft Geld ausgegeben und die Rechnung geht
nicht auf: In den Umfragen beider Seiten wächst die
Beliebtheit von Chávez weiter und darüber hinaus
sagen es die Wahltrrends: Das Potential der Rechten
liegt bei etwa vier Millionen Stimmen und damit weit
unter den 7,3 Millionen, die Chávez bei seiner
Wiederwahl errang.
Der kommende 7. Oktober wird wieder ein
historischer Tag in Venezuela werden. Der Tag der
Auseinandersetzung zwischen dem einfachen und
mutigen Volk von Bolívar, mit Chávez an der Spitze,
und der konsumfixierten und pseudo-yankeemäßigen
Oligarchie mit Enrique Capriles Radonski am Steuer
des „Rückschritt-Busses".
(*) Dokumentarfilm Präsident Volk,
Caracas, 2006
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